Lektion: Umwelt, Natur und Landwirtschaft

Ein zunehmend wichtiges Thema bei Fairtrail ist ein respektvoller Umgang mit seiner Umwelt: Ganz egal ob es sich um Tiere und Pflanzen, der Landwirtschaft, Jagd oder Forstwirtschaft handelt. Alle haben ihre berechtigten Bedürfnisse und sollen respektiert werden. Im Folgenden einige Inputs zu den unterschiedlichen Themen:


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Wildtiere

Fairdinands sollten die wichtigsten Verhaltensregeln im Zusammenhang mit Wildtierschutz kennen, verstehen und erklären können.

Wildtiere können durch menschliche Anwesenheit und Aktivitäten gestört werden. Als Störung gelten Ereignisse, welche negative Auswirkungen auf ein oder mehrere Tiere haben. Dies unabhängig davon, ob man diese Auswirkungen direkt beobachten kann.

Wildtiere müssen, um als Individuum aber auch als Art überleben zu können, stets die Vor- und Nachteile ihres aktuellen Verhaltens gegeneinander abwägen. Das Verhalten ist dabei nichts anderes als das Stillen eines Bedürfnisses. Folgende Bedürfnisse müssen gestillt werden können: Nahrungs- und Wasseraufnahme, Schlafen und Ruhen, Sicherheit. Um als Art überleben zu können, sind zudem folgende Bedürfnisse zentral: Balz und Paarung, Brut und Jungenaufzucht, Sozialverhalten. Sicherheit und damit das Überleben im Moment hat (fast) immer Vorrang. Fühlt sich ein Tier immer wieder in seiner Sicherheit bedroht, so geht die darauf folgende Reaktion (Flucht, Vermeidungsverhalten, Ausweichen in weniger geeignete Gebiete, Stress) stets auf Kosten der anderen Bedürfnisse und kann zu Krankheit, Ausbleiben der Reproduktion oder Tod führen. Dies durch die negativen Auswirkungen von konstantem Stress, durch Mangelernährung, Absturz/Verletzung während Flucht, leichterer Erbeutung oder Konkurrenz.

Im Hinblick auf Rotwild ist auch die Wald/Wild-Problematik zu erwähnen. Um Energiedefizite infolge von Stress oder Flucht zu kompensieren, müssen die Tiere (wenn möglich) mehr Nahrung aufnehmen, was zu erhöhtem Verbiss von Jungbäumen und allgemein einer Übernutzung des Lebensraumes führen kann. Die Tiere werden durch anhaltende Störung noch mehr vom Offenland in den Wald verdrängt und begeben sich oftmals in unbegehbare Gebiete und verschieben ihre Aktivität noch mehr in die (für sie eigentlich unnatürliche) Nacht. Die zwei letzten Punkte erschweren zusätzlich die Bestandesregulierung durch die Jagd und können dadurch zur zusätzlichen Gefährdung von Schutzwäldern führen.

Um Wildtiere trotz Freizeitaktivitäten nicht zu stören, gelten folgende Verhaltensregeln:

  • Auf den Wegen bleiben (Entlang der Wege sind Menschen und angeleinte Hunde für das Wild berechenbar und ermöglichen dadurch einen Gewöhnungseffekt; gestörte Flächen bleiben klein.)
  • Schutzgebiete berücksichtigen (in Schutzgebieten rechnen die Tiere nicht mit Störung. Die nicht vorhandene Gewöhnung kann zu starken Reaktionen führen.)
  • Keine Touren während Dämmerung und Nacht (Die meisten Wildtiere möchten wie wir in der Nacht ruhen und sehen nachts schlechter. Eine Störung stresst sie sehr stark und eine Flucht ist viel gefährlicher als am Tag.)
  • Hunde an die Leine nehmen (Gilt besonders im Wald; Verhindert das Stöbern im Unterholz und das Jagen.)

Mehr Infos zu Wildruhezonen, deren zeitliche Gültigkeit und Standort, sowie zum Konflikt Naturnutzung in der Freizeit und Wildtiere findet ihr auf Wildruhezonen.ch.

Natur, Umwelt und Landwirtschaft

Biken und Wandern abseits der offiziellen Wege oder Nutzung gesperrter Wege: Im Landwirtschaftsgebiet kann dies zur Beschädigung oder Verunreinigung von Wiesen und Weiden führen oder zur Störung von weidenden Tieren. Im Wald können Wurzeln, Baumstämme oder Jungwuchs und damit der Wald an sich direkt beschädigt werden. Die Störung von Wildtieren kann zu zusätzlichem Nutzungsdruck auf andere Waldgebiete führen.

Allgemein kann empfindliche Flora und Fauna geschädigt werden, v.a. in sensiblen Lebensräumen wie Feuchtwiesen, Flachmooren oder Trockenwiesen. All diese Biotope sind in der Schweiz bereits sehr stark unter Druck.

Liegenlassen von Abfall: Liegengelassener Abfall kann einerseits sowohl Nutz- wie auch Wildtiere gefährden, welche diesen zum Teil fressen und krank werden oder verenden (Magen voller Plastik, Durchfallerkrankungen, innere Verletzungen). Andererseits gelangt der Abfall auch in die Natur, wo sich daraus Mikroplastik bilden kann, der in Böden und Gewässern landet.

Touren während Dämmerung und Nacht: Dunkelheit und das nur vereinzelte Vorkommen von menschlichen Aktivitäten nachts machen diese Störungen für Wild- wie für Nutztiere unberechenbar. Dies erhöht den Stress stark und Tiere können sich bei einer Flucht in der Dunkelheit verletzen.

Offen gelassene Zaundurchgänge / Nicht-respektieren von Infrastruktur: Offen gelassene Zaundurchgänge erlauben es Nutztieren, aus ihrer Umzäunung zu entkommen. Dies kann zur Gefährdung der Tiere aber auch von Menschen oder Hunden in der Umgebung führen. Zudem erleichtern offene Zäune Beutegreifern wie dem Wolf das Eindringen in eine Nutztierherde. Dasselbe gilt für abgelegte Zäune.

Viehtränken sollten zudem nicht zum Reinigen von Mensch oder Ausrüstung benutzt werden, da dies das Trinkwasser der Tiere verunreinigt.

Die Zerstörung oder Demontage von Schutzzäunen um Jungwuchs führt zu erhöhtem Verbiss und damit zu gestörter Waldverjüngung und -erhaltung.

Begegnungen mit (Mutter-)Kuhherden und Herdenschutzhunden: Mutterkühe beschützen ihre Kälber und können auf eine als solches empfundene Störung aggressiv reagieren – dies gilt besonders bei fahrenden Velos und mitgeführten Hunden. Um ein unangenehmes Erlebnis zu vermeiden, gelten folgenden Verhaltensregeln: Distanz halten; Hunde an der Leine führen; sich ruhig verhalten, vom Bike absteigen; nicht die Nähe der Kälber suchen; Drohgebärden der Kühe ernst nehmen! Diese Verhaltensregeln sind meist auch an den Zaundurchgängen beschrieben.

Auch die Begegnung mit Herdenschutzhunden kann zu gefährlichen Situationen führen, besonders, wenn ein Hund mitgeführt wird. Herdenschutzhunde verteidigen ihre Herde vehement. Folgende Regeln sollten beim Durchqueren einer bewachten Herde berücksichtigt werden: Distanz, Respekt, Ruhe. Keinesfalls mit dem eigenen Hund die Weide durchqueren sondern wenn möglich weitläufig umgehen oder andernfalls umkehren. Auch hier informieren oftmals Tafeln vor Ort über das korrekte Verhalten. Weitere Infos gibt es auf der Homepage zum Herdenschutz in der Schweiz inkl. interaktiver Karte.

Biken und Wandern bei oder nach schlechtem Wetter: Vernässte Stellen veranlassen Wegnutzende schnell zum Ausweichen zur Seite. Dies führt zu einer sukzessiven Verbreiterung des Weges und Schädigung von Flora und Boden. Bei Regenwetter sind oftmals viele Amphibien unterwegs, welche zertrampelt oder überfahren werden können.