Wildtiere in der Schweiz – insbesondere Rehe, Rothirsche, Gämsen, Steinböcke aber auch Schnee- und Feldhasen und bodenbrütende Vögel wie das Auerhuhn, das Birkhuhn oder das Schneehuhn – reagieren sensibel auf Störungen. Auch kurze Begegnungen können Stress und Energieverlust verursachen.
Die Geruchsbarriere bei Wildtieren beschreibt ein Phänomen, bei dem menschlicher Geruch – etwa durch Schweiß, Kleidung, Parfüm, Rauch oder Haustiere – das Verhalten von Wildtieren beeinflusst. Da viele Wildtiere über einen sehr ausgeprägten Geruchssinn verfügen, nehmen sie menschliche Geruchsspuren entlang von Wegen oder Aufenthaltsorten deutlich wahr. Diese Spuren können Meidung, erhöhte Wachsamkeit oder eine Anpassung des Aktivitätsmusters auslösen. In der Folge werden bestimmte Gebiete gemieden oder nur noch zu anderen Zeiten genutzt, was langfristig Veränderungen im Raum- und Bewegungsverhalten nach sich ziehen kann.
Die Geräuschbarriere bei Wildtieren beschreibt ein Phänomen, bei dem menschliche Geräusche – etwa durch Gespräche, Schritte, bellende Hunde oder plötzlich auftauchende Fahrräder – das Verhalten von Wildtieren beeinflussen. Solche Geräusche werden oft als potenzielle Gefahr wahrgenommen, besonders von sensiblen Arten wie Rothirschen oder Rehen. Die Tiere reagieren darauf häufig mit erhöhter Wachsamkeit oder Flucht und passen ihr Aktivitätsmuster an. In der Folge kann es zur Verdrängung dieser Arten aus störungsintensiven Gebieten kommen.
Verdrängung dieser Arten aus störungsintensiven Gebieten
Die Fluchtdistanz ist der Abstand einer Person oder eines Hundes, bei dem ein Tier die Flucht ergreift. Dabei ist sehr relevant, ob ein Hund angeleint ist oder nicht, falls nicht, vergrössert sich die Fluchtdistanz um ein Vielfaches.
Wird diese Distanz unterschritten, ist das Tier gezwungen zu fliehen, somit:
Im Winter ist jede Flucht besonders kritisch, da Energiereserven knapp sind und eine Flucht so viele Energiereserven verbraucht, dass es zum Tode des Tieres aus Erschöpfung oder Verhungern fühen kann.
Die Unberechenbarkeit von menschlichen Aktivitäten stellt für Wildtiere eine eigene Störquelle dar. Tiere können gleichmäßige Bewegungen gut einschätzen, während schnelle, unregelmäßige Bewegungen – etwa durch Mountainbikes oder Trailrunner:innen – als unvorhersehbar, bedrohlich und stressauslösend wahrgenommen werden. Besonders an unübersichtlichen Wald- oder Bergpassagen führt dies zu erhöhter Vorsicht, Fluchtreaktionen oder einer Vermeidung der betroffenen Bereiche. Schnelle Bikes oder Trailrunner:innen wirken auf Tiere.
Besonders an unübersichtlichen Wald- oder Bergpassagen.
Hunde werden von Wildtieren als Beutegreifer wahrgenommen. Selbst angeleinte Hunde können Fluchtreaktionen auslösen. Freilaufende Hunde können jedoch, durch den Jagdtrieb ausgelöst, Wildtiere verfolgen bzw. Wildern. Im schlimmsten Fall kann dies für ein Wildtier tödlich enden. Es kann jedoch auch zu Verletzungen oder zur Trennung von Mutter- zu Jungtieren führen. Zudem hinterlässt ein Hund eine markante Geruchsspur in der Natur. Wildtiere nehmen diese Tage später noch wahr und meiden diese Gebiete.
Die Brut- und Setzzeit im Frühling und Frühsommer ist für viele Wildtiere eine besonders sensible Phase. In dieser Zeit sind die Tiere besonders störungsempfindlich, da ihre Nachkommen auf Schutz und Ruhe angewiesen sind. Rehkitze liegen reglos im hohen Gras und fliehen normalerweise nicht aus ihrem Versteck; dadurch können sie jedoch leichter von Beutegreifern gerissen werden. Rothirschkälber verstecken sich häufig im Wald, und bodenbrütende Vögel wie das Auerhuhn reagieren extrem empfindlich auf Störungen. Eine erzwungene Flucht kann dazu führen, dass Eier oder Jungtiere ungeschützt bleiben und sterben.
👉 informieren statt belehren
👉 erklären statt verbieten
Auf dem Weg hat niemand Zeit für lange Erklärungen.
Statt Fachbegriffen wirken kurze, alltagsnahe Botschaften besser.
1. Nicht theoretisch erklären, sondern in verstädnlichen Worten:
„Wenn wir ein Reh aufscheuchen, verbraucht es enorm viel Energie – besonders im Winter kann das problematisch sein.“
2. Mit Bildern im Kopf arbeiten
Statt: „Wildtiere reagieren sensibel auf Störungen.“
Besser: „Ein Rehkitz liegt im Frühling reglos im hohen Gras. Wenn der Hund hineinläuft, hat es keine Chance zu fliehen (Solche inneren Bilder bleiben hängen).“
3. Bezug zur Region herstellen, denn wenn man konkrete Tiere nennt, wirkt die Botschaft realer:
«In Graubünden begegnen wir häufig:
„Hier oben im Gebiet hat es viele Gämsen – die flüchten sehr schnell, wenn man sie überrascht.“
4. Nicht moralisieren – Gemeinsamkeiten betonen
Statt: „Sie dürfen hier nicht durchfahren.“
Besser: „Wenn wir auf dem Trail bleiben, schützen wir gemeinsam die Rückzugsräume der Tiere.“
Menschen reagieren positiver auf:
5. Zielgruppengerecht sprechen
Bei Biker:innen
„Wenn ihr vor Kurven kurz anklingelt oder Tempo rausnehmt, erschreckt ihr weder Wandernde noch Wild.“
Bei Hundehalter:innen
„Für Wildtiere sieht ein Hund wie ein Wolf aus – auch wenn er lieb ist.“
Bei Wandernden
6. Die 30-Sekunden-Botschaft
Ein praktisches Schulungstool ist die „30-Sekunden-Regel“:
„Wildtiere brauchen Rückzugsräume. Wenn wir sie aufscheuchen, verlieren sie Energie. Darum bleiben wir auf dem Weg und leinen Hunde an – so funktioniert Natur und Freizeit nebeneinander.“